Beitrag Grundlosigkeit Genozid. Genozide und die Frage nach dem „Warum?“ Komparatistiche Überlegungen zum Konzept der „extremen Grundlosigkeit“ in autobiographischen Zeugnissen von Überlebenden der Shoah und des Tutsizids

Autori

  • Anne D. Peiter Université de La Réunion

DOI:

https://doi.org/10.6092/issn.2785-3233/17014

Parole chiave:

Shoah, Tutsicide, Genocide comparison, autobiographical records of survivors, historical causality

Abstract

Ausgehend von autobiographischen Zeugnissen, die von Überlebenden der Shoah und des Tutsizids in Ruanda geschrieben wurden, beschäftigt sich der Beitrag mit der Frage nach dem „Warum?“, die den Vollzug des jeweiligen Genozids genauso begleitete wie sein „Danach“. Primo Levi hatte, als er in Auschwitz nach dem „Warum” der Gewalt zu fragen wagte, die entscheidende Antwort erhalten: „Hier ist kein Warum“. Auf welche Weise die Opfer in Europa wie in Ruanda mit der Arbitrarität und Absolutheit von genozidialen Machtinstanzen umgingen, wird in drei chronologischen Schritten nachvollzogen: Die erste Phase betraf die Frage nach der Identifizierung der zu tötenden Gruppe und die Redundanz des definitorischen Zugriffs auf den scheinbar „anderen“ Körper. Die zweite Phase zeigte das Verschwinden der Frage nach den Gründen während der Massaker selbst. Die dritte Phase entsprach der Zeit nach der Befreiung der Opfer. Hier trat die Absurdität der Verbrechen so grell zutage, dass viele Opfer momentweise selbst an der Realität des Erlittenen zu zweifeln begannen. Meine These lautet, dass die Untersuchung der extremen Grundlosigkeit von Genoziden nicht im Widerspruch zur historischen Erforschung der Ursprünge und Funktionsweise von Massengewalt steht, sondern diese ergänzt.

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Pubblicato

2023-06-20

Come citare

Peiter, A. D. (2023). Beitrag Grundlosigkeit Genozid. Genozide und die Frage nach dem „Warum?“ Komparatistiche Überlegungen zum Konzept der „extremen Grundlosigkeit“ in autobiographischen Zeugnissen von Überlebenden der Shoah und des Tutsizids. DIVE-IN – An International Journal on Diversity and Inclusion, 3(1), 169–196. https://doi.org/10.6092/issn.2785-3233/17014